1. Vorweggenommene Erbfolge

Autor: Krüger

Keine Legaldefinition

Bei der erbrechtlichen Beratung genügt es oft nicht, sich auf Fragen der Rechtsnachfolge von Todes wegen zu beschränken. Unter dem Oberbegriff der vorweggenommenen Erbfolge werden Ideen und Konzepte lebzeitiger Zuwendung von Vermögen ergänzend nachgefragt. Das Schlagwort findet sich trotz breiter Verwendung durch Berater und Mandantschaft nur vereinzelt im Gesetz wieder (§ 593a Satz 1 BGB, § 17 Abs. 1 HöfeO und § 13a Abs. 1 Nr. 2 ErbStG a.F.). Legal definiert ist der Begriff der vorweggenommenen Erbfolge nicht. Die Ausgestaltung ist entsprechend offen.

Motive

Nicht zuletzt aus persönlichen, steuerlichen und rechtlichen Gründen kann es erforderlich werden, die Möglichkeiten lebzeitiger Zuwendungen zu prüfen, zu erörtern und zu entwerfen. Oftmals geht es um Steuerersparnisse, Vermögensverschiebungen zu Gunsten bzw. zu Lasten von potentiell Berechtigten oder darum, mit der "warmen statt mit der kalten Hand zu geben" und zum Beispiel sein Kind bei der Gründung einer Familie zu unterstützen. Entscheidend sind die Vorstellungen des Mandanten, die Zusammensetzung seines Vermögens und die rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Abstimmung mit der originär erbrechtlichen Nachfolge durch Testament oder Erbvertrag oder von Gesetzes wegen stellt den Berater vor zusätzliche Herausforderungen. Auch nach dem Erbfall muss sich zeigen, dass eine Gestaltung entsprechend den Vorstellungen des Erblassers gelungen ist.