Empathie gibt's nicht im App Store - oder doch? Außergerichtliche Streitbeilegung im Erbrecht - Möglichkeiten und Grenzen generativer KI

Autor: Knauss

A. Einführung

Erbstreitigkeiten sind häufig weniger von rechtlichen als von emotionalen Faktoren geprägt. Verletzte Erwartungen, alte familiäre Konflikte und diffuse Misstrauenslagen erschweren eine Einigung selbst dann, wenn die Rechtslage eindeutig ist. In dieser Gemengelage kann die außergerichtliche Streitbeilegung durch den beratenden Anwalt oder einen Mediator eine sinnvolle Alternative zur streitigen Auseinandersetzung darstellen.

Mit dem Aufkommen generativer KI stellt sich die Frage, ob und wie diese Technologie den Einigungsprozess im Erbrecht unterstützen kann. Erste Pilotversuche zeigen, dass KI-Systeme durchaus in der Lage sind, Positionen zu strukturieren, Vergleichsvorschläge zu formulieren und deeskalierend zu wirken. Doch wo liegen die Grenzen? Und wie können die Rollen zwischen KI und menschlichem Berater verteilt werden?

B. KI-Mediation im Erbrecht

I. Konfliktdynamik im Erbrecht: zwischen Recht und Emotion

Gerade das Erbrecht ist besonders konfliktanfällig. Anders als im klassischen Schuldrecht treffen hier keine fremden Parteien aufeinander, sondern Familienmitglieder, langjährige Weggefährten, (frühere) Ehepartner oder gar Rivalen innerhalb eines Clans. Diese persönlichen Vorprägungen sorgen dafür, dass es im Erbstreit oft weniger um Paragraphen als um verletzte Gefühle, alte Ungleichgewichte und unaufgearbeitete Erwartungen geht.

Typische Konstellationen sind: