6. Problemkreis Interessenkollision: Wenn beide im Wartezimmer sitzen

Autor: Mainz-Kwasniok

Beratung durch gemeinsamen Anwalt

Bei vielen Ehepartnern besteht das Bedürfnis, von einem gemeinsamen Anwalt beraten zu werden. "Wir wollen uns nicht streiten", ist häufig der Auftakt der Kontaktaufnahme zum Anwalt. Dem liegt die laienhafte Vorstellung zugrunde, es gebe auf alle familienrechtlichen Fragen jeweils eine eindeutige Antwort, die sich womöglich unmittelbar aus dem Gesetz (oder Tabellen) ergebe - und es bedürfe des Anwalts nur im Sinne einer Auskunft darüber, was im Gesetz geregelt sei.

Scheidungswillige Eheleute denken oft nicht daran, dass ihre Interessen gegenläufig sein können, weil ihnen die gegenseitigen Rechte unbekannt sind. Sie vertrauen darauf, dass der sie gemeinsam beratende Rechtsanwalt das Beste für sie herausholt, ohne sich klarzumachen, dass dieser in einer gemeinsamen Beratung bei gegenläufigen Interessen dazu nicht in der Lage sein wird, weil das Beste für den einen das Schlechteste für den anderen ist - jedenfalls beim Verteilen von begrenzten Ressourcen wie Geld.

Zulässige Ausnahmefälle

Die gemeinsame anwaltliche Beratung getrenntlebender Eheleute kann zulässig sein (BVerfG v. 03.07.2003 - 1 BvR 238/01, NJW 2003, 2520).

Den Meinungsstreit zu dieser Frage gibt der BGH (Urt. v. 19.09.2013 - IX ZR 322/12, FamRZ 2014, 35) ausführlich wieder (einen Auszug aus der Entscheidung finden Sie in Kapitel 2.A.2).

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