Mandatssituation 5.6: Übertragung der Alleinsorge

Autor: Kraft

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Herr und Frau Schuster haben sich im Scheidungsverfahren mit gerichtlich gebilligtem Umgangsvergleich darauf verständigt, ihre Kinder im Wege des Wechselmodells zu betreuen. Es zeigt sich jedoch, dass die Eltern ihre Trennung nicht verarbeiten können und ständig miteinander in Konflikt geraten. Der andauernde Streit belastet die Kinder stark. Die Eltern müssen wiederholt das Familiengericht anrufen, weil es ihnen nicht gelingt, gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Herr Schuster kommt in die Beratung. Er möchte das Wechselmodell beenden und die Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge auf sich beantragen.

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Weisen Sie Ihren Mandanten darauf hin, dass das Gericht zur Entscheidung des Falls mit großer Wahrscheinlichkeit ein familienpsychologisches Gutachten einholen wird, in dem auch seine Erziehungseignung untersucht werden wird. Informieren Sie ihn über die Kosten des Gutachtens (ab 3.000 Euro aufwärts).

Führen Sie dem Mandanten die Abwägung, die vom Gericht getroffen werden muss, vor Augen. Er soll sich selbstkritisch mit der Frage beschäftigen, welche Lösung für die Kinder die beste ist.

Die Belastung der Kinder ist nach Art und Wirkung konkret zu beschreiben.

Alle Gesichtspunkte müssen sorgfältig zusammengetragen und differenziert begründet werden. (Allgemeingehaltene Hinweise auf mangelnde Erziehungsfähigkeit des anderen Elternteils reichen nicht aus.)

Raten Sie dem Mandanten, seine Absichten mit dem Jugendamt abzusprechen und wegen der Belastung der Kinder begleitend eine Erziehungsberatung in Anspruch zu nehmen.

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Übertragung der Alleinsorge bei Zustimmung des anderen Elternteils

Zentrale Vorschrift für die Übertragung der elterlichen Sorge ist § 1671 BGB . Danach kann die Alleinsorge ohne weitere Kindeswohlprüfung vom Gericht auf einen Elternteil übertragen werden, wenn der andere mitsorgeberechtigte Elternteil zustimmt. In streitigen Fällen beruht die gerichtliche Entscheidung auf der Prüfung des Kindeswohls.

Übertragung der Alleinsorge aus Gründen des Kindeswohls

Die Übertragung der elterlichen Sorge auf ein Elternteil allein kommt in Betracht, wenn die Eltern unfähig sind, miteinander zu kooperieren und sich dies negativ auf die Kinder auswirkt. Es ist daher im Einzelfall sorgfältig zu prüfen, ob die Differenzen zwischen den Elternteilen tatsächlich die Übertragung des alleinigen Sorgerechts rechtfertigen. Das wäre nicht der Fall, wenn sich die Verweigerungshaltung eines Elternteils nicht schädlich auf die Kinder auswirkt oder die Eltern nur in einzelnen Punkten keine Einigung erzielen können, im Übrigen aber kooperationsfähig sind.

Jeder Fall ist anders – das sagt die Erfahrung. Und doch gibt es typische Mandatssituationen, mit denen jeder Anwalt, der familienrechtliche Mandate bearbeitet, regelmäßig konfrontiert wird.

Und das bieten Ihnen „Die 100 typischen Mandate im Familienrecht“:

  • Rund 100 typische Mandatssituationen, jeweils strukturiert nach:
    Sachverhalt/Checkliste/Lösung/Verfahren/Muster
  • Instruktive Einführungen in die einzelnen Rechtsthemen
  • Checklisten und Muster
  • Praxistipps zur Mandatsstrategie
  • Warnhinweise auf Haftungsfallen
  • 30.000 Gerichtsentscheidungen
  • Kompetente Autoren aus Justiz und Anwaltschaft

Und so beurteilt die Fachpresse „Die 100 typischen Mandate im Familienrecht“:

Rechtsanwalt Ralf Hansen, Düsseldorf, bei: Juralit, Juli 2016 (Online-Rezension)
„Das Handbuch ist insbesondere zur Entwicklung angemessener Strategien in Familienrechtsfällen sehr gut einsetzbar. Es wird seinem Titel sehr gerecht, da letztlich alle wichtigen Fallkonstellationen diskutiert und Lösungen zugeführt werden, die gut umsetzbar sind. Das inzwischen in fünfter Auflage erschienene Praxishandbuch bietet eine Fülle von Informationen, Hinweisen und Lösungsansätzen, die für die Praxis sehr nützlich sind.“
Rechtsanwältin Beatrix Ruetten, Hamburg, in: NZFamR 2015, Heft 8 (zur Vorauflage):
„Das Werk sollte in keiner Kanzlei mit familienrechtlichen Mandaten fehlen und dient auch dem erfahrenen Praktiker zum schnellen Einstieg in die Lösung.“
Rechtsanwalt Dirk Vianden, Bonn, in: FuR 2015, Heft 1 (zur Vorauflage):
„Herausgeber und Autoren sind zu beglückwünschen zu dieser umfassenden Abhandlung, aus deren Nutzung jeder, der familienrechtliche Anfänger, aber auch der sogenannte Routinier seinen Gewinn ziehen wird.“