Mandatssituation 5.7: Gestaltung der Sorgerechtsausübung durch Vollmacht

Autor: Kraft

Sachverhalt Checkliste Lösung Muster 1 Muster 2

Das Ehepaar Müller ist geschieden worden. Der Ehemann hat sich einer neuen Lebensgefährtin zugewandt und befindet sich häufig auf Geschäftsreisen. Er zeigt kein besonderes Interesse an der Ausübung des Sorgerechts und nimmt den Umgang nur gelegentlich wahr. Frau Müller ist enttäuscht und verärgert und möchte, dass ihr das alleinige Sorgerecht übertragen wird. Herr Müller möchte einen gerichtlichen Streit vermeiden. Er ist damit einverstanden, dass die Mutter in allen wichtigen Angelegenheiten der Kinder alleine entscheidet. Dennoch möchte er Inhaber des Sorgerechts bleiben, falls Frau Müller etwas zustößt.

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Wenn Sie zu der Einschätzung kommen, dass durch die Erteilung einer sorgerechtlichen Vollmacht eine gerichtliche Auseinandersetzung zum Sorgerecht vermieden werden könnte, sind folgende Punkte zu beachten:

Klären Sie den Mandanten über die Möglichkeit der Gestaltung der Sorgerechtsausübung durch Vollmachtserteilung auf.

Versuchen Sie frühzeitig, mit dem Anwalt der Gegenseite persönlich Kontakt aufzunehmen, um auch bei dem Kollegen für die Bereitschaft zu einer "Vollmachtslösung" zu werben. Denn diese Regelungsweise ist noch nicht sehr verbreitet.

Regeln Sie die Vergütung ihrer Tätigkeit mit dem Mandanten!

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Da das Innehaben des Sorgerechts einen besonderen emotionalen Stellenwert hat, kann die Vollmacht ein hilfreiches Mittel sein, um dem betreuenden Elternteil im Außenverhältnis das "rechtliche Können" zu Alleinentscheidungen zu geben, ohne dass der nicht betreuende Elternteil sein Sorgerecht aufgeben muss. Dies geschieht in der Weise, dass dem betreuenden Elternteil vom anderen Elternteil eine widerrufliche Vollmacht zur alleinigen Vertretung des Kindes erteilt wird.

Vorteile:

Erhalt der gemeinsamen elterlichen Sorge

keine Schweigepflicht von Ärzten und Lehrern gegenüber dem Vollmachtgeber

beide Eltern stehen einander in der Pflicht

kein Sieger/kein Verlierer, stattdessen Vertrauensbekenntnis

Gestaltung der Vollmacht

Die Gestaltung der Vollmacht kann auf die konkreten Bedürfnisse des Falls abgestimmt werden. Die zwei häufigsten Typen sind

die umfassende Vollmachtserteilung
und

die punktuelle Vollmachtserteilung für einzelne Belange, wie z.B. die Anmeldung zur Schule oder die ärztliche Behandlung einer bestimmten Krankheit.

Jeder Fall ist anders – das sagt die Erfahrung. Und doch gibt es typische Mandatssituationen, mit denen jeder Anwalt, der familienrechtliche Mandate bearbeitet, regelmäßig konfrontiert wird.

Und das bieten Ihnen „Die 100 typischen Mandate im Familienrecht“:

  • Rund 100 typische Mandatssituationen, jeweils strukturiert nach:
    Sachverhalt/Checkliste/Lösung/Verfahren/Muster
  • Instruktive Einführungen in die einzelnen Rechtsthemen
  • Checklisten und Muster
  • Praxistipps zur Mandatsstrategie
  • Warnhinweise auf Haftungsfallen
  • 30.000 Gerichtsentscheidungen
  • Kompetente Autoren aus Justiz und Anwaltschaft

Und so beurteilt die Fachpresse „Die 100 typischen Mandate im Familienrecht“:

Rechtsanwalt Ralf Hansen, Düsseldorf, bei: Juralit, Juli 2016 (Online-Rezension)
„Das Handbuch ist insbesondere zur Entwicklung angemessener Strategien in Familienrechtsfällen sehr gut einsetzbar. Es wird seinem Titel sehr gerecht, da letztlich alle wichtigen Fallkonstellationen diskutiert und Lösungen zugeführt werden, die gut umsetzbar sind. Das inzwischen in fünfter Auflage erschienene Praxishandbuch bietet eine Fülle von Informationen, Hinweisen und Lösungsansätzen, die für die Praxis sehr nützlich sind.“
Rechtsanwältin Beatrix Ruetten, Hamburg, in: NZFamR 2015, Heft 8 (zur Vorauflage):
„Das Werk sollte in keiner Kanzlei mit familienrechtlichen Mandaten fehlen und dient auch dem erfahrenen Praktiker zum schnellen Einstieg in die Lösung.“
Rechtsanwalt Dirk Vianden, Bonn, in: FuR 2015, Heft 1 (zur Vorauflage):
„Herausgeber und Autoren sind zu beglückwünschen zu dieser umfassenden Abhandlung, aus deren Nutzung jeder, der familienrechtliche Anfänger, aber auch der sogenannte Routinier seinen Gewinn ziehen wird.“