BGH - Beschluß vom 16.12.1992
XII ZB 144/92
Normen:
BGB § 119 ; ZPO §§ 514 580 ;
Fundstellen:
EzFamR aktuell 1993, 114
EzFamR ZPO § 514 Nr. 4
FamRZ 1993, 694
JR 1994, 21
Vorinstanzen:
AG Karlsruhe, vom 06.05.1992 - Vorinstanzaktenzeichen 5 F 60/91
OLG Karlsruhe, vom 22.10.1992 - Vorinstanzaktenzeichen 2 UF 156/92

Widerruflichkeit und Anfechtbarkeit von Prozesshandlungen - Rechtsmittelverzicht

BGH, Beschluß vom 16.12.1992 - Aktenzeichen XII ZB 144/92

DRsp Nr. 2004/8496

Widerruflichkeit und Anfechtbarkeit von Prozesshandlungen - Rechtsmittelverzicht

Eine Prozeßerklärung (hier: Rechtsmittelverzicht), die von einem postulationsfähigen Rechtsanwalt gegenüber dem Gericht abgegeben wurde, ist als bestimmende Prozeßhandlung unwiderruflich und nicht wegen Willensmängeln anfechtbar, soweit nicht das Gesetz einen Widerruf ausdrücklich gestattet oder das Urteil wegen des Vorliegens eines Restitutionsgrundes der Restitutionsklage nach § 580 ZPO unterläge.

Normenkette:

BGB § 119 ; ZPO §§ 514 580 ;

Gründe:

Es entspricht ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und der herrschenden Meinung im Schrifttum, daß eine Prozeßerklärung wie hier der Rechtsmittelverzicht, der von einem postulationsfähigen Rechtsanwalt gegenüber dem Gericht abgegeben wurde, als bestimmende Prozeßhandlung unwiderruflich und nicht wegen Willensmängeln anfechtbar ist, soweit nicht das Gesetz einen Widerruf ausdrücklich gestattet oder das Urteil wegen des Vorliegens eines Restitutionsgrundes der Restitutionsklage nach § 580 ZPO unterläge (BGHZ 12, 284, 285; Senatsurteil BGHZ 80, 389, 392; Senatsbeschlüsse vom 8. Mai 1985 - IVb ZB 56/84 - FamRZ 1985, 801, 802; 25. Juni 1986 - IVb ZB 75/85 - FamRZ 1986, 1089; 2. Dezember 1987 - IVb ZB 125/87 - FamRZ 1988, 496; 11. Mai 1988 - IVb ZB 191/87 - FamRZ 1988, 1158, 1159; BGH Beschluß vom 7. November 1989 - VI ZB 25/89 - NJW 1990, 1118; BGH Urteil vom 6. März 1985 - VIII ZR 123/84 - JR 1985, 423, 424 m.Anm. Zeiss; Baumbach/Lauterbach/Hartmann ZPO 51. Aufl. Grundzüge vor § 128 Rdn. 56, 58; MünchKomm/Rimmelspacher ZPO § 514 Rdn. 7; Stein/Jonas/Leipold ZPO 20. Aufl. vor § 128 Rdn. 228; Thomas-Putzo ZPO 17. Aufl. § 514 Anm. 3 c; Zöller/Schneider ZPO 17. Aufl. § 514 Rdn. 8, 14). Das fordert das vorrangige Interesse der Klarheit und Rechtssicherheit des Verfahrens, insbesondere was den Verfahrensabschluß betrifft. Die von der Beschwerdeführerin zitierte abweichende Auffassung im Schrifttum (Orfanidis, Die Berücksichtigung von Willensmängeln im Zivilprozeß, Prozeßrechtliche Abhandlungen Heft 54, 1982; derselbe, Die Berücksichtigung von Willensmängeln beim Rechtsmittelverzicht am Beispiel der arglistigen Täuschung, ZZP 100 (1987) S. 63 ff.; Zeiss a.a.O.) gibt dem Senat keinen Anlaß, von der gefestigten Rechtsprechung abzuweichen. Daß die Ehefrau bei Abgabe des Rechtsmittelverzichts in dem Irrtum befangen war, mit der Scheidung, der Durchführung des Versorgungsausgleichs und dem vereinbarten gegenseitigen Unterhaltsverzicht seien zugleich alle weiteren Ansprüche, insbesondere auf güterrechtliche Auseinandersetzung, erledigt, rechtfertigt keine Anfechtungsmöglichkeit.

Hinweise:

Anmerkung:

Zeiss, JR 1994, 22

Vorinstanz: AG Karlsruhe, vom 06.05.1992 - Vorinstanzaktenzeichen 5 F 60/91
Vorinstanz: OLG Karlsruhe, vom 22.10.1992 - Vorinstanzaktenzeichen 2 UF 156/92
Fundstellen
EzFamR aktuell 1993, 114
EzFamR ZPO § 514 Nr. 4
FamRZ 1993, 694
JR 1994, 21