Mandatssituation 8.5: Schadensersatzpflicht des Miterben oder Maßnahme der außerordentlichen Verwaltung?

Autor: Klose

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Die Geschwister sind Miterben zu je 1/3. Zum Nachlass mit einem Gesamtwert von über 800.000 Euro gehörte neben Barvermögen und weiteren Immobilien ein Ferienhaus. Nach mehreren erfolglosen Veräußerungsversuchen boten im April 2012 Interessenten einen Kaufpreis von 150.000 Euro für den Erwerb des Ferienhauses, der dem Schätzwert des örtlichen Gutachterausschusses entsprach. Zwei Miterben drängten deshalb unter Hinweis auf den fortschreitenden Verfall des Ferienhauses auf einen Verkauf. Ihrer Aufforderung, dem Verkauf zuzustimmen, kam die dritte Miterbin nicht nach, weil sie die Hoffnung hatte, einen höheren Kaufpreis erzielen zu können. Die Kaufinteressenten sahen schließlich von einem Erwerb des Ferienhauses ab. Im Februar 2013 wurde es zu einem Preis von 100.000 Euro verkauft. Die zwei Miterben als Mandanten möchten, dass die weitere Miterbin der Erbengemeinschaft den Schaden ersetzt, der durch den nicht erfolgten Verkauf im April 2012 entstanden ist.

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Siehe hierzu im Übrigen die Checkliste in Mandatssituation .4.

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Schadensersatzpflicht der Schwester

Eine Schadensersatzpflicht der Miterbin im Zusammenhang mit der Veräußerung des Ferienhauses setzt voraus, dass diese mit der nicht erteilten Zustimmung und der dadurch bewirkten Absage der Kaufinteressenten schuldhaft die ihr als Mitglied der Erbengemeinschaft obliegende Pflicht gegenüber dem Bruder als Miterben verletzt hat, bei Maßregeln mitzuwirken, die zur ordnungsgemäßen Verwaltung erforderlich sind (§ 280 Abs. 1 , § 2038 Abs. 1 Satz 2 BGB ).

Mitwirkungspflicht der Miterben

Nach § 2038 Abs. 1 Satz 2 erster Halbsatz BGB sind die Miterben einander verpflichtet, bei solchen Maßregeln mitzuwirken, die für eine ordnungsmäßige Verwaltung erforderlich sind. Während also im Rahmen der außerordentlichen Verwaltung noch jeder Miterbe über die Vornahme der Verwaltungsmaßnahme frei entscheiden kann, statuiert § 2038 Abs. 1 Satz 2 BGB für die ordentliche Verwaltung eine Pflicht der Erben, an erforderlichen ordnungsmäßigen Verwaltungsmaßnahmen mitzuwirken.

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Rechtsanwältin Beatrix Ruetten, Hamburg, in: NZFamR 2015, Heft 8 (zur Vorauflage):
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Rechtsanwalt Dirk Vianden, Bonn, in: FuR 2015, Heft 1 (zur Vorauflage):
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