Ihr Nutzen auf einen Blick
- Umfassender Überblick über die rechtlichen Grundlagen des Kinderschutzes
- Aktuelle höchstrichterliche Rechtsprechung und ihre praktischen Auswirkungen
- Verfahrenstaktische Strategien für Eltern und Verfahrensbeteiligte
- Schritt-für-Schritt-Anleitung durch das Kinderschutzverfahren
- Zusammenarbeit mit Jugendamt, Gutachtern und Verfahrensbeiständen
- Interaktiv: Sie erhalten Gelegenheit, individuelle Fragen an den Referenten zu stellen
- Alle Teilnehmer erhalten eine Teilnahmebescheinigung nach § 15 FAO.
Das Jugendamt droht mit der Inobhutnahme. Eltern sollen ihre Kinder nur noch begleitet sehen dürfen. Ein Gericht erwägt einen teilweisen Sorgerechtsentzug. Kinderschutzverfahren nach §§ 1666, 1666a BGB gehören zu den emotional belastendsten und rechtlich anspruchsvollsten Mandaten im Familienrecht. Hier geht es um existenzielle Fragen für Familien – und um hohe Anforderungen an die anwaltliche Beratung.
Das Kinderschutzrecht ist geprägt von unbestimmten Rechtsbegriffen wie "Kindeswohlgefährdung" und "Verhältnismäßigkeit". Die Rechtsprechung entwickelt diese Begriffe ständig weiter, auch unter dem Einfluss der EGMR-Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK. Gleichzeitig ist die Praxis der Jugendämter sehr unterschiedlich, Sachverständigengutachten sind häufig streitbefangen, und das Verfahren selbst verläuft unter großem Zeitdruck. Wer hier nicht über fundiertes Wissen und verfahrenstaktisches Geschick verfügt, kann seinen Mandanten kaum wirksam helfen.
In Kinderschutzverfahren stehen oft schwerwiegende staatliche Eingriffe im Raum: von Auflagen und Weisungen über den teilweisen Entzug der elterlichen Sorge bis hin zur vollständigen Trennung des Kindes von seinen Eltern. Für Eltern und Kinder geht es um Grundrechtseingriffe und lebensverändernde Maßnahmen. Umso wichtiger ist es, die rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, verfahrenstaktisch klug zu agieren und die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten – Jugendamt, Gericht, Gutachtern, Verfahrensbeiständen – professionell zu gestalten.
Dieses Webinar vermittelt Ihnen das notwendige Wissen für die sichere Bearbeitung von Kinderschutzverfahren. Nicole Rinau, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht mit umfassender Erfahrung in Kinderschutzverfahren, erklärt systematisch die rechtlichen Grundlagen und deren Anwendung in der Praxis. Sie lernen die Voraussetzungen staatlicher Eingriffe kennen, verstehen die Verfahrensabläufe und erfahren, welche Strategien in welcher Situation erfolgversprechend sind. Anhand aktueller Rechtsprechung und konkreter Fallbeispiele werden typische Konstellationen durchgespielt – von der Gefährdungsmeldung über die Inobhutnahme bis zum Sorgerechtsentzug und dessen Rückübertragung. Sie erhalten praktische Hinweise zur Mandantenführung in emotional belasteten Situationen, zur Zusammenarbeit mit Gutachtern und zur Bewertung von Hilfeplänen. Die umfassenden Seminarunterlagen mit Checklisten und Musteranträgen unterstützen Sie bei der konkreten Mandatsbearbeitung. So können Sie Ihre Mandanten in diesen existenziellen Verfahren kompetent und wirksam vertreten.
Die Inhalte des Webinars:
Rechtliche Grundlagen des Kinderschutzes
- §§ 1666, 1666a BGB: Systematik und Aufbau
- Verhältnis zu §§ 1626, 1631 BGB (Elterliche Sorge)
- Verfassungsrechtliche Vorgaben: Art. 6 GG
- Europarechtliche Dimension: Art. 8 EMRK
- SGB VIII: Kinder- und Jugendhilfe
Kindeswohlgefährdung – Tatbestand und Auslegung
Gefährdungsarten in der Praxis
Verschulden und Kausalität
Verhältnismäßigkeitsgrundsatz nach § 1666a BGB
Maßnahmen nach § 1666 BGB
Ablauf im Kinderschutzverfahren
Rolle der Verfahrensbeteiligten
Sachverständigengutachten im Kinderschutzverfahren
Verfahrenstaktik für betroffene Eltern
- Erstberatung und Krisenintervention
- Kooperation mit dem Jugendamt: Chancen und Risiken
- Mitwirkung an Hilfeplänen
- Stellungnahme zu Gefährdungsmeldungen
- Beweisführung: Entlastungszeugen und Dokumentation
- Freiwillige Hilfen zur Abwendung gerichtlicher Maßnahmen
- Umgang mit psychologischen Gutachten
- Strategien im Eilverfahren
Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII
Hilfen zur Erziehung und Schutzkonzepte
Rückübertragung der elterlichen Sorge
Besondere Fallkonstellationen
- Kinderschutz bei Trennung und Scheidung
- Religiös oder kulturell motivierte Erziehungskonflikte
- Medizinische Behandlungen gegen den Elternwillen
- Schulverweigerung und Bildungsvernachlässigung
- Kindeswohlgefährdung durch soziale Medien
- Grenzüberschreitende Kinderschutzfälle
Aktuelle Rechtsprechung
Praktische Mandatsführung
- Checkliste für die Erstberatung
- Mandantenkommunikation in Krisensituationen
- Zusammenarbeit mit anderen Professionen
- Eigenschutz und Abgrenzung
- Typische Fehlerquellen und wie Sie diese vermeiden
Die Referentin
Nicole Rinau, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht, Fachanwältin Sozialrecht in Berlin und wiederkehrend gelistet als Focus-Top-Anwältin Familienrecht
Zielgruppe
(Fach-)Anwälte und Anwältinnen für Familienrecht