Ratgeber · KI in der Kanzlei · Stand: Juli 2026

Richtig Prompten in der Anwaltskanzlei

Die Qualität einer KI-Antwort hängt maßgeblich von der Qualität der Eingabe ab. Wer nur vage Fragen stellt, erhält vage Antworten – und läuft im juristischen Kontext zusätzlich Gefahr, dass die KI Lücken mit erfundenen Inhalten füllt. Mit den folgenden Prinzipien holen Sie mehr aus jedem Prompt heraus.

Die vier Prinzipien guter Prompts

1. Rolle und Kontext festlegen

Geben Sie der KI zu Beginn eine klare Rolle und den relevanten Kontext – Rechtsgebiet, Zielgruppe des Textes, gewünschter Detailgrad.

2. Konkrete Aufgabe statt offener Frage

Statt "Was sagt das Gesetz zu...?" formulieren Sie präzise, welches Ergebnis Sie erwarten: eine Zusammenfassung, eine Gliederung, eine Liste von Argumenten.

3. Format vorgeben

Legen Sie fest, in welcher Form die Antwort erfolgen soll – Stichpunkte, Fließtext, Tabelle, mit oder ohne Quellenangabe.

4. Prüfschritt einfordern

Bitten Sie die KI explizit, Unsicherheiten oder fehlende Informationen zu kennzeichnen, statt Lücken zu füllen. Das senkt zwar nicht das Halluzinationsrisiko auf null, macht unsichere Passagen aber leichter erkennbar.

Beispiel: schwacher vs. starker Prompt

Schwacher Prompt

"Schreib mir was zu Kündigungsfristen."

Starker Prompt

"Du bist Assistenz in einer arbeitsrechtlichen Kanzlei. Erstelle eine tabellarische Übersicht der gesetzlichen Kündigungsfristen nach § 622 BGB, gestaffelt nach Betriebszugehörigkeit. Kennzeichne Punkte, bei denen eine Einzelfallprüfung nötig ist."

Weitere Beispiel-Prompts für den Kanzleialltag

  • Zusammenfassung: "Fasse das folgende Urteil in maximal 200 Wörtern zusammen und hebe die tragenden Entscheidungsgründe hervor."
  • Gegenargumente: "Liste die drei stärksten Gegenargumente zu folgender Rechtsauffassung auf, jeweils mit kurzer Begründung."
  • Mandantenkommunikation: "Formuliere die folgende rechtliche Einschätzung in einfacher, verständlicher Sprache für einen Mandanten ohne juristische Vorkenntnisse."
  • Struktur: "Erstelle eine Gliederung für einen Schriftsatz zu folgendem Sachverhalt, orientiert am klassischen Gutachtenstil."

Zu beachten

Geben Sie in Prompts keine echten Mandanten- oder Fallnamen ein, wenn Sie ein allgemeines KI-Tool ohne vertragliche Datenschutzabsicherung nutzen. Anonymisieren Sie Sachverhalte vor der Eingabe.

Vom Prompt zum Workflow

Wer regelmäßig ähnliche Aufgaben mit KI löst, profitiert von wiederverwendbaren Prompt-Vorlagen statt jedes Mal neu zu formulieren. Einige spezialisierte Legal-AI-Tools wie der Deubner KI Associate übernehmen diesen Schritt bereits automatisiert, indem sie direkt auf Aktenwissen zugreifen, statt bei jeder Anfrage neu Kontext liefern zu müssen.

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